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Schattennarr
Registriert seit: 22.03.2010
Ort: Da, wo du nicht bist
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AW: Das Auge des Söldners
Was? Da liefert uns Gilead die lang ersehnte Fortsetzung und keiner kommentiert? Eine Schande! Nun denn, dann will ich mal den Anfang machen:
Zitat:
Zitat von Gilead
Der rote Schleier war verschwunden. Die Krämpfe in meinen Eingeweiden waren verschwunden. Auch das Fieber war offenbar zurückgegangen, und die Schelle um meine Hüfte war nicht mehr vorhanden. Stattdessen lag ich auf einem weichen Bett, eingehüllt in saubere, fein gewebte Decken.
War das die Welt der Toten? War ich in das Mysterium eingedrungen, das alle Weisen und Denker Auges ergründen wollten? Wenn dem so war, dann unterschied sich diese Nachwelt noch nicht sonderlich vom Dasein auf Auge. Und der Gardist in der skionischen Rüstung, der sich forschend über mich beugte, bestätigte diesen Eindruck.
"Er ist aufgewacht," bemerkte er beiläufig zu einer Gestalt ausserhalb meines Blickfeldes.
"Beim heiligen Sucher, ich werde den Anspruch erheben, Meister aller Heilkundigen genannt zu werden!"
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Das ist mal ein Einstieg... kaum sind sie aus dem Verlies raus, fällt schon der erste galgenhumorige Spruch, der das ganze etwas auflockert.
Zitat:
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"Aber wie ...?" Ich wandte meinen Kopf zu dem Gardisten, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, und bedachte ihn mit einem strengen Blick. "Warum habt ihr mich nicht sterben lassen?" Der Mann reagierte nur mit einer verständnislosen Miene.
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Wenn sie seine Feinde wären, hätte sie sich wohl kaum die Mühe gemacht, ihm das Leben zu retten... es sei denn, sie haben noch etwas viel Schlimmeres mit ihm vor
Zitat:
"Wo sind meine Freunde?" fragte ich den Heilkundigen. "Leben sie? Sind sie hier?"
"Natürlich! Sie sind alle in meiner Obhut. Ich habe getan, was in meiner Macht steht, und sie sind ... fast alle ... wieder so gut wie gesund."
"Aber wir waren doch schon am Ende unseres Lebens angelangt. Wie hast du das geschafft, alter Mann?"
"Wie ich gesagt habe: eigentlich ist es ein Wunder. Vor allem du schienst für diese Welt bereits verloren."
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Kein Wunder, sondern eine logische Schlussfolgerung: Ohne den Hauptcharakter wäre die Geschichte vorbei. Und dafür ist es noch zu früh
Zitat:
"Sechs Tage", murmelte ich fassungslos. "Und was geschieht jetzt mit uns? Werden wir wieder eingesperrt? Dann will ich lieber tot sein!"
"Dies soll deine geringste Sorge sein, junger Krieger. Aber alle Fragen, die dich scheinbar quälen, kann ein anderer viel besser beantworten. Jemand, der dich sicher sehen will."
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So wie's aussieht, stecken sie wirklich bis zum Hals in gewaltigen Schwierigkeiten. Ich fürchte, hier werden noch einige Charaktere auf der Strecke bleiben...
Zitat:
Ich hatte also wieder einmal überlebt. Doch welchen Umständen hatte ich das zu verdanken? Ich hätte glücklich sein sollen, doch solange ich die Wege der Garde nicht durchschaute, überwog der Argwohn.
Sie alle waren hier? Das hieß, Verten, Massak, Otonaz und Heodil lebten noch. Es war ein geringer Trost, der mir aber über Daantas und D'Ubps Tod nicht hinweghelfen konnte.
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Moment! Daanta ist tot? Komisch, davon stand überhaupt nichts im Text... oder habe ich da irgendwas überlesen?
Zitat:
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Von unserer einst recht starken Gruppe war nicht mehr viel übrig. All unsere großen Pläne waren wohl damit zerschlagen worden. Was war geblieben? Ein aufgelöster Traum vom ruhmreichen Söldnerleben? Die Sehnsucht zurück nach Atilien, in die Arme meiner Schwester Nadarja? Immerhin bestand die Möglichkeit, dass man mich wieder mit offenen Armen aufnahm. Nach dieser Reise war das öde, triste Leben in einem kleinen Dorf nicht mehr ganz so schrecklich.
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Hier verfällt Kyron in eine nahezu kindliche Naivität. Irgendwie passt das nicht zu ihm. Warum macht er sich solche unsinnigen Hoffnungen? Dass das "ruhmreiche Söldnerleben" nicht ganz so ruhmreich ist, wie einen die Werber glauben lassen, dürfte er doch mittlerweile besser wissen als jeder andere. Und ich wage mal zu bezweifeln, dass man ihn nach dem, was er getan hat, in seiner alten Heimat mit offenen Armen empfangen würde.
Zitat:
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Mit schmerzenden Gliedern erhob ich mich aus dem Bett. Nach dem ersten Schritt sanken meine Knie ein, und ich landete unsanft auf dem Holzboden. Fluchend massierte ich meine schlaffen Muskeln. Es würde einige Zeit dauern, bis ich wieder in meine alte Kraft gefunden hatte. Nicht dass ich je ein Muskelmann gewesen wäre.
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Habe ich schon erwähnt, dass ich es liebe, wie die Charaktere jeden Rückschlag mit Humor nehmen?
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Mein Kinn sackte herunter, als eine kleine Gruppe sehr bekannter Gesichter den Raum betrat. Reflexartig erhob ich mich, doch meine Sinne schwanden, und meine kraftlosen Beine gaben erneut nach. Vier Arme fingen meinen Sturz auf: die kräftigen Arme von Verten und die schlanken Arme von ... Daanta.
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Ha! Ich wusste es! Das Mädchen darf nicht sterben!
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Etwas später stellte der Heilkundige drei hölzerne Hocker an die rechte Seite meines Bettes, auf denen Daanta, Massak und Verten Platz nahmen. Weiters schob er einen weich gefüllten, sauberen Leinensack unter meinen Rücken, um mir das aufrechte Sitzen zu ermöglichen, und schließlich drückte er mir noch eine metallene Schüssel samt Löffel in die Hand.
„Iss!“ forderte er und fuchtelte mit den Fingern vor meinem Gesicht herum. „Du musst wieder zu Kräften kommen.“
Ich hob die Schüssel nahe zu meiner Nase und roch skeptisch an dem kalten, grünlichen Brei. „Ein Wunder, dass ich nicht verhungert bin. Sechs Tage ...“ Ich schüttelte abermals ungläubig den Kopf.
Der Alte begann laut zu kichern, während er mit den Rücken zuwandte. „Es gibt Mittel und Wege, dich zu ernähren, Junge. Alte, sehr alte Wege.“
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Ich habe den Heiler soeben ganz spontan zu meinem Lieblingscharakter erkoren. Ich liebe verschrobene Typen mit schrägem Humor
Zitat:
Verten tauschte einen schnellen Blick mit Massak und Daanta und räusperte sich. „Wir wurden von Magan betrogen .... aber das wussten wir ja bereits. Was wir nicht wussten war, dass Magans Vater, Meha Sebberlik, während unserer Gefangenschaft versucht hat, die Macht in Ledyur an sich zu reißen. Er hatte dies offenbar von langer Hand geplant und einige der anderen Denker und auch Hauptleute der Garde auf seiner Seite. Doch der Großpanarch war gewarnt gewesen, und seine Getreuen brachten ihn zu seiner Sicherheit unbemerkt aus der Stadt. Daraufhin war Chaos ausgebrochen. Meha Sebberlik ernannte sich selbst zum Stadtmeister, und es gab Kämpfe in den Straßen zwischen den beiden Lagern.“
Ich schüttelte ungläubig den Kopf und griff nach dem Becher mit Wasser, der neben dem Bett stand. „Ein Bürgerkrieg? Aber was hatten wir damit zu tun? Was nützte ihnen unsere Gefangeschaft?“ Ich legte die Stirn in Falten.
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Wir kommen also zum politischen Teil und ich habe das untrügliche Gefühl, dass die Geschichte jetzt so richtig Fahrt aufnimmt. Schließlich haben die Söldner noch eine Rechung mit Magan zu begleichen...
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„Magan brauchte Sündenböcke,“ fuhr Verten fort. „Für das Massaker auf dem Hof. Denn das waren keineswegs einfache Bauern.“ Seine Mundwinkel zuckten. „Der Hof war ein heimlicher Treffpunkt von einer Gruppe getreuer Nohiok-Anhänger ...“
„Leider wohl nicht ganz so geheim, wie sie es gerne gehabt hätten,“ unterbrach Massak.
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Massak hat einfach eine unvergleichlich gnadenlose Art, offensichtliche Dinge auszusprechen
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„Nun ... Benfur ist ein treuer Anhänger Nohioks. Und er wusste bescheid über die Machtgier der Sebberliks, ebenso wie ihm zu Ohren gekommen war, dass sich auf Erkels Hof immer wieder Bürger trafen, um Informationen über eine bevorstehende Rebellion auszutauschen und um diese zu sabotieren. Und als dann auch noch irgendjemand ausplauderte, dass Magan uns zuvor aufgesucht hatte, reimte sich der Hauptmann seine eigene Version der Geschichte zusammen.“
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Gut zu wissen, dass die Hauptpersonen nicht ganz allein dastehen. Ich kann es kaum erwarten, dass Magan seine Abreibung erhält. Ein perfekter Hass-Charakter.
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Die Qualen und Verluste der Vergangenheit waren in einen tiefen Abgrund gerutscht. Die Freude über Daantas Unversehrtheit, das Wiedersehen mit Verten und Massak und mein fortschreitender Heilungsprozess verdrängten die Gedanken an den knapp entronnenen Tod. Ich fasste wieder neuen Mut. Und ich fasste einen Entschluss. Nämlich den, diese von Krieg und Wahnsinn gezeichnete Insel zu verlassen. Aber mit welchem Ziel? Zurück nach Atilien zu Nadarja, in der Hoffnung, meines Vaters Bruder würde die Verbannung aufheben? Oder mit Daanta nach Poi-Pon, sofern sie überhaupt mit mir diesen Weg beschreiten wollte? Diese Fragen mochten mich wohl noch einige Tage beschäftigen.
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Was lernen wir daraus? Dass man niemals leichtfertig den Pfad der Gewalt einschlagen sollte. Denn so schnell kann man ihn nicht wieder verlassen.
Zitat:
"Warte noch!" rief ich dem Heiler zu, der Anstalten machte, den Raum zu verlassen. Fragend blickte er mich mit seinen trüben und dennoch vor Weisheit blitzenden Augen an.
"Wie steht es um Heodil?" fragte ich leise. "Du hast gesagt, fast alle sind wieder gesund. Ist sie die Ausnahme?"
Ich sah Betrüben, das der alte Mann nur schwer unterdrücken konnte.
"Sie wird sterben," meinte er schließlich. Die Worte kamen nur mühsam über seine dünnen Lippen.
Niedergeschlagen senkte ich den Kopf auf meine Brust. Mir wurde bewusst, dass ich diese Antwort erwartet hatte.
"Mein Können reicht nicht aus, ihr noch zu helfen." Dieses Eingeständnis bedrückte ihn sichtlich. "Sie blutet innerlich. Die Krankheit und die Gewalt, die ihr angetan wurde, haben Schäden in ihrem Leib verursacht, die ich nicht beheben kann. Ich bin nur ein einfacher Heilkundiger, kein Jezerone."
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Es wäre schade um sie, aber ihr Tod würde sich ganz gut in das düstere Weltbild einfügen. Trotzdem glaube ich nicht, dass sie schon verloren ist. Nicht solange ihr Herz noch schlägt.
Was soll ich noch sagen? Es gibt nichts, was ich an der Geschichte auszusetzen hätte. Von mir aus kann es gern so weitergehen!
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"Begabung wird überschätzt und Beifall ist die einzige Motivation, die uns über unseren Dilettantismus hinauswachsen lässt." - Old Faithful
Das Klischee duldet keinen Widerspruch! Selbiges gilt für die weibliche Hauptrolle.
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